Zweiter Abend der 5. "laut&deutlich" Trilogie am 21. Januar 2011

Rückblick: Die Badenerin Patti Basler holt den ersten Oltner Slamsieg im 2011

 

Am 21. Januar erlebte die Oltner 5. Poetry Slam Trilogie den zweiten Slam. Ein Dichterabend mit hohem Frauenanteil führte zu einem Sieg von Patti Basler aus Baden. Sie konnte sich in einem Viererfinale knapp vor Franziska Holzheimer aus München durchsetzen. Der letztmalige Sieger Tobi Kunze aus Hannover wie auch Sam Hofacher aus Bern mussten sich mit dem guten dritten Platz begnügen. Kunze führt weiterhin das Feld vor Patti Basler im Trilogien-Wettstreit an.

Der Abend begann mit dem Quartett ?Knuts Koffer? aus Rapperswil. Die vielfältige Band mit tollen Texten und breiter Instrumentalisierung schaffte schnell den Zugang zum Oltner Publikum. Als die beiden Moderatoren die Bühne betreten herrschte kurze Verwirrung. Kilian Ziegler, welcher als Stellvertreter von Fabienne Käppeli die Moderation der Trilogie übernommen hat, wurde durch Manuel Locher begleitet, welcher den erkrankten Etrit Hasler vertrat. Die beiden Moderatoren, welche noch nie die Bühne geteilt haben, meisterten die unerwartete Feuertaufe gut, auch wenn die Spässe etwas viel Raum einnahmen und sie es damit teilweise auf die Spitze trieben. Der grosse Publikumsaufmarsch zeigte wiederum, dass der Oltner Verein art i.g. mit den Slamabenden mittlerweile zu einem festen Programmpunkt im Kulturjahr der weiteren Region geworden ist.

Die in Wien wohnhafte Aargauerin Marguerite Meyer musste den Abend eröffnen. Sie meisterte den Startplatz gut und tauchte mit dem, auf der Anreise verfassten Text, in Fragen über den Sinn des Lebens ein. Der Basler Nico Herzig, war nach langer Zeit wieder einmal in Olten zu sehen. Er ist bekannt für seine Freestyle-Texte und hatte, laut seiner Ansage, neue Texte im Gepäck. Er wählte eine Schilderung eines Sonntages, nach einer intensiven Nacht, als er mit einem Tattoo einer Frau auf dem Fuss erwachte. Da der Text noch ein offenes Ende aufwies, wechselte er flexibel in einen Freestyle, mit welchem er über einige Umwege zu einem Schlusspunkt fand. Das Publikum schien noch nicht in den Bann gezogen und quittierte mit kritischer Note und Applaus. Raphael Zwicky konnte mit ?Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann?  und den Auswirkungen auf die Kindesentwicklung bis zum Desaster im Kindergarten, das Publikum erstmals mit vielen Lachern, auch einigen die im Halse stecken blieben, richtig aufwärmen. Als zweite Frau des Abends betrat die Münchnerin Franziska Holzheimer die Bühne. Nach dem lustigen Text von Zwicky wechselte die Handlung in den ernsten Text der Münchnerin. Das Publikum wurde von ihren Gedanken in den Bann gezogen. Sie schilderte wie sie eine Trennung verarbeitet und aus dem Bekannten ausbricht, bis sie ihre Wohnung und ihr Leben mit einer Notiz für ihr Umfeld ?ich bin nur kurz Zigaretten holen? hinterliess. Hinterlassen hat sie auch einen bleibenden Eindruck beim Publikum und sie erreichte die bisher beste Wertung. Der Schaffhauser Diego Häberli bot mit seinem Autotext eine herausragende Performance, ob das Publikum den Text inhaltlich nicht goutierte oder aufgrund der Sprechgeschwindigkeit gar nicht mitkam, blieb offen ? die Wertung fiel jedoch deutlich tiefer als Holzheimer aus. Als Urgestein der Slamszene folgte der Frauenfelder Ivo Engeler, welcher mit seinen Kürzesttexten und viel Schalk das Publikum begeisterte und eine weitere spannende Facette der Slamkunst präsentierte. Als letzter Dichter vor der Pause trat der sarkastische Sam Hofacher aus Bern auf die Bühne. Sein Text, welcher ihm den Finaleinzug nebst Holzheimer sicherte, handelte von seiner boshaftigen Lebenseinstellung als Lehrer ?ich bin ein Fiesling, ein Ekel ? ein Lehrer wie er im Buche steht?.? Somit war klar, dass die Jurytafeln nicht in Lehrerhänden waren oder diese viel Humor verstehen. Nach Pause und weiteren Stücken von ?Knuts Koffer? zappte Patti Basler aus Baden mit dem Publikum durch alle Fernsehkanäle und frass sich an seichten Produktionen und Werbefenster wie auch an Fingerfood satt. Satt hatte dies das Publikum in keiner Weise, die Stimmung stieg erstmals richtig an und Applaus wie auch Wertepunkte zeigten auf, dass man die Badnerin nochmals im Finale sehen mochte. Endlich war das Eis in der Schützi zum Publikum etwas gebrochen und die Zuhörerinnen, welche zwar sehr konzentriert den Dichtern an den Lippen hingen, zeigten etwas mehr Emotionen. Dies konnte der letztmalige Sieger Tobi Kunze aus Hannover geschickt nutzen. Er stieg mit den Publikum und seinem besten Freund zum ersten Mal in den bisher unbekannten Raum in seiner Wohnung, welcher Küche hiess. Da er sich bisher von Junkfood und Snacks aus Backstageräumen von Künstlerauftritten durchs Leben ernährte, führten die vielen technischen Geräten im Küchendschungel zu einer psychodelischen Reise und Kunze bestach erneut durch Textkreativität und energiegeladener Performance. Den Abschluss der  Vorrunde bestritt die Bernerin Michèle Friedli, welche alle Gruppierungen und Facetten von Esoterik und Religion auf einem Selbstfindungstripp durchlebte und sich fragte, wo man den Sinn des Lebens am intensivsten spürte. Ihre gute Wertung reichte nicht für die Teilnahme im Finale, aber für viel Applaus. Die vier Finalisten, Holzheimer, Hofacher, Kunze und Basler massen sich nun um den Sieg des Abends. Die Münchnerin, welche das Finale eröffnete, blieb ihren hinterfragenden Texten treu. Sie fragte sich, was sie eigentlich alles sein und machen sollte und wünschte sich, manchmal auf Stelzen durchs Leben zu gehen, um von dem genügend Abstand zu haben, was sie herunterzieht. Sam Hofacher spielte im Anschluss gekonnt mit den neuen Formulierungen von Menschengruppen und fragte sich, ob Slammer bald ?Menschen mit Aufmerksamkeitsdrang und speziellen Wortfähigkeiten? genannt würden. Patti Basler wechselte im Finale in die Mundart und in Kindergartenerinnerungen und ihre Erlebnisse mit der Lehrerin. Kunze schloss den Abend spontan mit einem Freestyletext ab. Er sammelte die Begriffe ?Chuchichäschtli?, ?Steigerungspotential? ?Dj Bobo? und ?Achselbehaarung? ein und kreierte einen Text, der ihm viel Applaus gab, auch wenn er nicht alle Themen einarbeiten konnte. Die Finalabstimmung machten die beiden Frauen das Rennen unter sich aus. Nach einigen Runden Applaus konnte Patti Basler Pokal und Whisky in die Höhe stemmen. Sie übernimmt dadurch den zweiten Platz im Rennen um den Trilogiesieg. Der Abschlussslam vom 18. März wird somit zeigen, wer als 5.Trilogiesieger in die ?hall of fame? des Oltner-Slams aufgenommen wird. Sämtliche bisherigen Sieger (Renato Kaiser, Simon Chen, Kilian Ziegler und Laurin Buser) werden an diesem Slam auf der Bühne stehen und die fünfte Person in ihren Reihen aufnehmen.

Ankündigung: Die «laut&deutlich» Poetry-Slam-Trilogie startet am 21. Januar ins neue Jahr

Am 21. Januar geht die 5. Slam Trilogie weiter mit dem zweiten Slam. Nach einem vielfältigen Eröffnungsabend im November führt Tobi Kunze aus Hannover vor Lara Stoll die Trilogie an. Olten erlebt wiederum ein sensationelles Programm mit Dichtern des gesprochenen Wortes.
Wer wird den Sieg nach Hause tragen und sich Punkte holen für den Trilogiesieg? Wer wird neuer Trilogiesieger und steigt zu den bisherigen Siegern Renato Kaiser, Simon Chen, Kilian Ziegler und Laurin Buser auf?  Durch den Abend führt zum ersten Mal das «laut&deutlich» Duo Kilian Ziegler und Etrit Hasler.
Doch im Mittelpunkt stehen wiederum die Dichterinnen und Dichter. Erneut wird Tobi Kunze antreten und seinen Sieg verteidigen ? doch einige Slammer aus Deutschland und der Schweiz versuchen ihm seinen Punktevorsprung streitig zu machen. Erfreulich ist der hohe Frauenanteil im Programm und die Chance ist gross, dass Kunze von einer Slammerin gefordert wird. Eine grosse Konkurrentin könnte Franziska Holzheimer aus München werden. Sie wird mit ihren gefühlvollen und nachdenklichen, aber auch sehr engagierten Texten das Publikum fesseln. Die junge Münchnerin ist eine aufstrebende Slammerin, welche bereits viele Slams in Deutschland gewonnen hat und eine viel versprechende Zukunft vor sich hat. Ihr Potential bewies sie im November an den deutschsprachigen Slammeisterschaften in Bochum, wo sie es als einzige Frau unter die Finalisten schaffte. Ebenfalls mit ernsten Texten ist Jana Klar zu erwarten, die junge Berlinerin studiert am Literaturinstitut in Biel und zeigt ihr vielseitiges Können auf Slam- und Lesebühnen sehr erfolgreich. Doch auch die Schweiz kann auf hoffnungsvolle Slammerinnen zählen und da wird Patti Basler, welche bereits einige Slamsiege aufweisen kann, wie auch die Zürcherin Marguerite Meyer oder Bernerin Michèle Friedli, das Feld sicher ebenfalls prägen. Von der Männerseite ist Diego Häberli aus Schaffhausen in Olten kein unbekannter Name. Er konnte schon an einigen Slams und Finale mitmischen, zum Sieg hat es ihm bisher aber nicht gereicht ? vielleicht bringt das neue Jahr ihm die nötige Portion Glück mit. Ebenso nicht unbekannt, aber schon lange nicht mehr im Olten war Ivo Engeler. Der Frauenfelder spielt sehr vielfältig und mit grossem Witz mit der Sprache, setzt Kürzesttexte ein und arbeitet oft mit Hochdeutsch geprägt durch schöne Helvetismen. Der gebürtige St.Galler und Wahlberner Sam Hofacher besticht durch seinen schwarzen Humor den er in packende Geschichten verpackt. Er reizt seine Provokationen mit gespielter Überheblichkeit aus und durfte schon einige Whiskys mit nach Bern tragen. Hofachers Körpergrösse führte dazu, dass er oft als grösster Slammer angekündigt wurde. Mit der Teilnahme von Raffael Zwicky aus Däniken wird dieses Merkmal angekratzt. Zwicky hat zwar noch nicht sehr viele Slams hinter sich, kann aber nicht nur mit seiner Körpergrösse mithalten. Seine Geschichten können in verschiedene Bereiche verzweigen, Phantasiereisen, Politik oder zwischenmenschliche Themen, Zwicky spielt gekonnt mit der Sprache. Es ist erfreulich, wieder eine neue lokale Vertretung auf der Bühne zu sehen und vielleicht wird ihm der Heimvorteil für eine Finalteilnahme unterstützen. Als Begleitband stehen Knuts Koffer aus Rapperswil auf der Bühne. Konzerte von Knuts Koffer sind Kunstwerke. Eine explosive Mischung aus eleganter Poesie, bissiger Ironie, irren Melodien, satten Grooves und viel Humor. Die phantasievoll-wahnwitzigen Texte und eine fast magische Bühnenpräsenz faszinieren und fesseln. Was die drei Multiinstrumentalisten mit ihren Instrumenten und technischem Equipment aus den Boxen zaubern, lässt sich nicht mit gängigen Begriffen definieren. Deshalb nennen sie ihren Sound Tollhausmusik. Olten darf sich also auf einen vielfältigen Abend des gesprochenen und gesungenen Wortes freuen.

Türöffnung: 20.00 Uhr / Showbeginn 21.00 Uhr
Eintritt: Fr. 15.-

Line-up: Patti Basler (Baden), Ivo Engeler (Frauenfeld), Michèle Friedli (Bern), Diego Häberli (Schaffhausen), Sam Hofacher (Bern),Franziska Holzheimer (München), Jana Klar (Biel & Berlin), Tobi Kunze (Hannover) Marguerite Meyer (Wien & Zürich), Raffael Zwicky (Däniken)