Die 5. Trilogie startet am 5. November 2010

Endlich gehts wieder los.... Der laut&deutlich Poetry Slam hat sich in Olten zu einer erfolgreichen Kulturveranstaltung entwickelt. Bereits vier erfolgreiche Trilogien liegen hinter uns - die bisherigen Sieger Renato Kaiser (06-07), Simon Chen (07-08), Kilian Ziegler (08-09) & Laurin Buser (09.10) warten auf einen fünften Sieger oder eine Siegerin im Bunde....   Zur Eröffnung lockt zum ersten Mal ein Moderationstrio mit Etrit Hasler, Fabienne Käppeli und Kilian Ziegler sowie die Band The human jukebox welche einen kreativen Abend verspricht. Als Dichterinnen und Dichter haben wir eine spezielle Mischung zu bieten! Es freut uns die frischbackene Schweizermeisterin Lara Stoll in Olten zu begrüssen. Aus Deutschland werden Tobi Kunze aus Hannover und Sulaiman Masomi aus Paderborn am Start sein. Nebst bekannten Gesichtern wie Diego Häberli und Valerio Moser freut es uns nach langer Zeit wieder einmal Phibi Reichling, Remo Rickenbacher und Lisa Christ in Olten zu begrüssen. Erstmals startet Martin Bussinger und aus dem hoffnungsvollen u20 Nachwuchs sind Gregor Stäheli und Nino Seiler am Start

  • Lara Stoll (Winterthur)
  • Tobi Kunze (Hannover)
  • Nino Seiler (Jonen)
  • Lisa Christ (Trimbach)
  • Diego Häberli (Schaffhausen)
  • Phibi Reichling (Stäfa)
  • Valerio Moser (Langenthal)
  • Remo Rickenbacher (Thun)
  • Martin Bussinger (Zürich)
  • Gregor Stäheli (Basel)
  • Sulaiman Masomi (Paderborn)

Die fünfte ?laut&deutlich? Trilogie mit einem Sieg von Tobi Kunze aus Hannover eröffnet

Am Freitag 5. November startete die Poetry Slam Trilogie ?laut&deutlich? der art i.g. in die fünfte Runde. Nach der erfolgreichen Schweizermeisterschaft vom September fand erstmals wieder ein offizieller Slam statt. Vor einem grossen und interessierten Publikum massen sich elf Dichterinnen und Dichter aus der Schweiz und Deutschland. Im Finale konnte Tobi Kunze aus Hannover den Startsieg holen und wohlverdient Pokal und Whiskyflasche in die Höhe stemmen.  

Der Abend startete etwas ungewöhnlich. The Human Jukebox alias Michael Wäckerlin packte das Publikum mit seiner Musik und brachte es in Stimmung. Das Konzept der lebenden Jukebox ist einfach: die Gäste wählen einen Song aus der Liste aus und die Jukebox singt die Wünsche der Reihe nach. Die Bandbreite seiner Stimme setzte der erfahrene Bandmusiker und in der Ausbildung zum Opernsäger befindliche Wäckerlin geschickt ein und wechselte flexibel zwischen den verschiedensten Musikstilen und ?formen.
Das ?laut&deutlich? Duo Etrit Hasler und Fabienne Käppeli eröffneten im Anschluss die Slamshow. Kilian Ziegler, welcher in den nächsten Slams für die Moderation Fabienne Käppeli vertritt, bot einen eindrucksvollen Eröffnungstext. Den offiziellen Wettbewerb musste danach Sulaiman Masomi aus Paderborn eröffnen. Der Routinier schaffte es gleich, das Eis zu brechen und das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Sein Text, in welchem er durch SMS Botschaften mit dem Inhalt ?Ich weiss es? in die Intimsphäre und Geheimnisse seines Beziehungsumfeldes eintauchen konnte, erhielt eine super Startwertung. Das folgende Lineup vor der Pause zeigte die Bandbreite des Slams. Sowohl Vertreter der u20 Slamliga wie auch ältere Slammer buhlten mit ihren Texten um eine gute Wertung und vorwiegend um die Gunst des Publikums. Der junge Basler Gregor Stäheli setzte sich mit der Wirklichkeit auseinander und der Überlegung, ob man seiner Liebsten auch wirklich die Wahrheit sagt. Als zweiter Vertreter von Deutschland betrat der Hannover Tobi Kunze die Bühne. Sein Text in Reimform mit dem Titel ?Während Frau Schrader schreibt? verbunden mit seiner hervorragenden Performance packte das Publikum und wurde mit einer weiteren hohen Wertung hinter Sulaiman Masomi belohnt. Der junge Aargauer Nino Seiler trat ein erstes Mal in Mundart auf die Bühne und performte einen Text zum Thema der Ausschaffungsinitiative. Seine Bildsprache der weissen und schwarzen Schafe, den grossen Problemen und dem Einflusses eines Geissbockes oder Altbundesrates entlockte dem Publikum viele Lacher und auch einen grossen Applaus. Die lokale u20 Slammerin Lisa Christ befasste sich mit dem Thema Liebe und zeigte auf, wie lange ein Tag dauern kann, wenn sich die Gedanken nur auf den eigenen Liebsten beschränken und immer wieder im Kopf drehen. Ebenfalls der Liebe, jedoch der gescheiterten, widmete sich der Suizidtext von Phibi Reichling. Was einem während des vermeintlich letzten Fluges durch den Kopf geht und wie man sich fühlt, wenn einem unerwartet ein Pinguin an den Schultern packt und zurück ins Leben trägt, erfuhr das Publikum vom Reichling. Da der junge Zürcher jedoch von einer Erkältung angeschlagen war, litt die sonst immer packende Performance und brachte keinen Punktewert für eine Finalteilnahme. Als letzter Poet vor der Pause befasste sich der Thuner Remo Rickenbacher mit der Liebe zu Frauen, welche in Glaubensvereinigungen aktiv sind. Der Ausweg der käuflichen Liebe schien jedoch auch kein erfolgreicher Weg zu bieten womit er wieder mit einem erweiterten Erfahrungsschatz bei den Bibelzitaten landete.
Im zweiten Teil vor dem Finale performte der junge Langenthaler Valerio Moser einen ?Hit-Song-Text?. Wie bei Songs aus der Hitparade spielte er mit lockeren Textpassagen, welche nicht viel aussagen, sondern von seiner Performance leben. Seine Ironie verbunden mit den Beatbox-Elementen packte das Publikum und ermöglichte ihm eine gute Wertung. Ebenfalls zum ersten Mal in Olten war Martin Bussinger aus Zürich. Er wählte auch die Mundart und spiegelte die Sicht eines Kindes an seine (erziehungs-) erfolgsorientierte Mutter. Alles was dem Kind Spass bereitet, scheint nicht zu einem braven Kind zu passen und endete immer wieder mit dem Ausspruch ?Mami ? lo mi lo si, ig wott eifach no chli Chind si?. Mit hohen Erwartungen musste die amtierende Schweizermeisterin Lara Stoll umgehen können. Sie hatte bereits einen Auftritt am Mundartabend der Buchmesse hinter sich und bestach dennoch durch einen energiegeladenen Text. Sie befasste sich mit der Situation, wenn man sich selbst nicht mehr leiden kann und gerne mal von sich selbst eine Auszeit nehmen möchte. Der Wunsch, endlich mal so richtig schizophren zu sein und sich selbst Überraschungen oder Freuden zu schenken, eignete sich als Zwischenlösung und führte zur inneren Versöhnung mit sich selbst. Die Erwartungen wurden erfüllt und Stoll platzierte sich auf dem dritten Rang und im Finale. Der Schaffhauser Diego Häberli konnte ihr als Einziger noch das Finale streitig machen. Er schloss die Vorrunde mit einem nachdenklichen Text ab und schaffte den Finaleinzug nicht. Er schaffte es jedoch, die Schützi trotz fortgeschrittener Zeit zu packen und gleichzeitig zu berühren. Er balancierte auf Stelzen des Glücks geschickt durch die Gedankenwelt und rundete die Vorrunde hervorragend ab.
Im Finale massen sich Masomi, Kunze und Stoll nochmals. Das Moderationsduo wurde durch Kilian Ziegler erweitert und Ziegler lenkte mit Fabienne Käppeli durchs Finale. Erneut handelten sich die Texte um Lebenssituationen. Masomi tauchte in die Welt einer ü30 Party ein und dem Gefühl, als Mann in der Runde nur noch von biologischen Uhren umgeben zu sein. Stoll ging ihrem Wunsch nach, endlich einen erotischen Text verfassen zu können und Kunze versuchte wieder Schritt mit sich selbst zu fassen. Mit seiner Betrachtung, wie es ist, sich selbst hinterher zu rennen setzte er sich im Finale durch und konnte den ersten grossen Schweizersieg mit nach Hannover tragen. Somit ist das Rennen um den fünften Trilogiesieg eröffnet und Olten ist gespannt, wer in die ?hall of fame? der bisherigen Sieger Renato Kaiser, Simon Chen, Kilian Ziegler und Laurin Buser aufsteigen wird. Bevor es im Januar in der Schützi weitergeht, können Begeisterte des Spoken Word am 28. November in der Variobar bei Wortklang einen Abend mit Literatur, Slam Poetry und Musik erleben. Mehr Infos unter www.artig.ch